Forschende der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln haben bei einer kleinen Gruppe von Kindern mit Neuroblastom eine genetische Veränderung im FGFR1-Gen identifiziert, die mit einem besonders aggressiven Krankheitsverlauf verbunden ist. Präklinische Untersuchungen zeigen, dass gezielte Medikamente – sogenannte FGFR-Hemmer – das Tumorwachstum in entsprechenden Modellen deutlich hemmen können und damit einen möglichen Ansatz für zukünftige personalisierte Therapien darstellen. Die Ergebnisse wurden gestern, 1. April 2026 im Fachjournal Journal of Clinical Investigation veröffentlicht.
Das Neuroblastom gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter. Etwa die Hälfte der betroffenen Kinder benötigt eine intensive multimodale Behandlung, die Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und weitere Therapieverfahren umfasst. Trotz dieser intensiven Behandlung können derzeit nur rund die Hälfte der Kinder mit einem Hochrisiko-Neuroblastom geheilt werden. Besonders ungünstig ist die Prognose bei Tumoren, die nur unzureichend auf die Therapie ansprechen oder nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung erneut auftreten.
In der Studie untersuchten die Forschenden zunächst in Zellkulturen und anschließend in Mausmodellen die biologischen Auswirkungen dieser Mutation. Dabei zeigte sich, dass die FGFR1-Veränderung das Wachstum von Tumorzellen deutlich beschleunigen kann. Gleichzeitig ließ sich nachweisen, dass gezielte Medikamente aus der Gruppe der FGFR-Hemmer das Wachstum dieser Tumorzellen stark unterdrücken können. Dieser Effekt wurde auch in Tumormodellen beobachtet, die zuvor nicht mehr auf konventionelle Chemotherapie angesprochen hatten. Auf Grundlage dieser präklinischen Ergebnisse wurde erstmals ein Patient mit einem FGFR1-mutierten Neuroblastom mit einem entsprechenden Wirkstoff behandelt. Der eingesetzte FGFR-Hemmer Futibatinib wurde bei einem Kind mit chemotherapieresistentem Neuroblastom in Kombination mit einer niedrig dosierten Chemotherapie verabreicht. Dabei konnte erstmals eine partielle Rückbildung des Tumors beobachtet werden.
„Unsere Arbeit zeigt eindeutig, dass diese FGFR1-Mutation mit einem aggressiven Verlauf des Neuroblastoms verbunden ist und häufig mit einem Versagen der aktuellen Standardtherapien einhergeht“, erklärt die Erstautorin der Studie, Dr. Lisa Werr aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln. „Unsere Untersuchungen waren entscheidend, um die potentielle Wirksamkeit von FGFR-Hemmern bei Neuroblastomen mit dieser Mutation nachzuweisen und ihren klinischen Einsatz vorzubereiten. Ziel weiterer Studien ist es, mit einer zielgerichteten Therapie die Heilungschancen betroffener Kinder deutlich zu erhöhen.“
Auch in der Erwachsenenonkologie spielen FGFR-gerichtete Therapien bereits eine Rolle in personalisierten Behandlungskonzepten. „Der mögliche Nutzen solcher Medikamente bei Neuroblastom-Patientinnen und -Patienten war bislang jedoch nicht untersucht“, sagt Univ.-Prof. Dr. Matthias Fischer, Leiter der Experimentellen Kinderonkologie an der Uniklinik Köln. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass zielgerichtete Therapien mit FGFR-Hemmern künftig eine neue Behandlungsoption für Kinder mit dieser genetischen Veränderung darstellen könnten.“
Originalpublikation:
Werr L et al. FGFR1-Mutation als therapeutische Zielstruktur beim Neuroblastom.
Journal of Clinical Investigation, 2025. DOI: 10.1172/JCI189152
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