Viele bahnbrechende Innovationen in der Therapie von Krebserkrankungen beruhen auf einem molekularen Verständnis wesentlicher Signalwege, die das Wachstum bösartiger Tumoren als sogenannte Treibermutationen permanent unterhalten. Das hat zur Vorstellung geführt, dass die möglichst komplette Sequenzierung des Tumorgenoms einen vollständigen Überblick über wesentliche Therapieansätze ermöglicht, und eine Begrenzung der Wirksamkeit dieser Therapien nur durch eine polyklonale Entwicklung des Krebsgenoms verursacht wird.
Der Einsatz solcher „Molekular informierten Therapien“ hat aber auch die Grenzen dieses Konzeptes erkennen lassen: Es bilden sich komplexe Netzwerke und Interaktionen zwischen Tumor und Wirt aus, die eine permanente Anpassung ermöglichen, und zu einer vollständig individuellen Krebserkrankung führen.
Der Vortrag soll einen Überblick über den Stand der gegenwärtigen Krebsdiagnostik für eine individualisierte Therapie und einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen geben, auch mit Blick auf Genom, Immunsystem, Metabolismus des Wirtes und die neuen Möglichkeiten durch die Anwendung künstlicher Intelligenz. Zugleich sollen neue Versorgungsformen für die beiden tödlichsten Krebserkrankungen des Menschen, Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, vorgestellt werden, die versuchen die Herausforderungen einer personalisierten Diagnostik und Therapie in die Realität der Versorgung von Krebspatienten umzusetzen.
Ort der Veranstaltung: Hörsaal I des MTI -Hörsaalgebäudes
Beginn: 18.15 Uhr