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Nachruf auf Prof. Dr. med. Dr. h.c. Gerhard Pulverer

Die Medizinische Fakultät der Universität zu Köln und das Universitätsklinikum Köln trauern um eine ihrer prägenden Persönlichkeiten. Im Alter von 96 Jahren ist Prof. Dr. med. Dr. h.c. Gerhard Pulverer, ehemaliger Dekan der Medizinischen Fakultät und langjähriger Direktor des Hygiene-Instituts, verstorben.

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Gerhard Pulverer verstorben. Foto: MedizinFotoKöln

Mit Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Gerhard Pulverer verliert die medizinische Welt einen international hochangesehenen Wissenschaftler und Mediziner, einen leidenschaftlichen akademischen Lehrer und nicht zuletzt einen Brückenbauer zwischen den Nationen.

Geboren 1930 im österreichischen Klagenfurt, absolvierte Gerhard Pulverer sein Studium der Humanmedizin an der Universität Wien, wo er 1954 zum Dr. med. promoviert wurde. Seine internationale Orientierung zeigte sich bereits zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn: Als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am Hygiene-Institut in Köln führte ihn sein Weg an das Pasteur-Institut nach Paris. Nach seiner Rückkehr an das Hygiene-Institut in Köln habilitierte er sich dort 1964 mit einer wegweisenden Arbeit über pathogene Staphylokokken.

Im Jahr 1969 folgte Pulverer dem Ruf auf den Lehrstuhl für Hygiene und Bakteriologie an der Universität zu Köln und übernahm zugleich die Leitung des Hygiene-Instituts. Von 1974 bis 1975 war er Dekan der Medizinischen Fakultät. 

Drei Jahrzehnte lang führte er das Institut mit visionärem Blick und prägte nachhaltig die Entwicklung der Medizinischen Mikrobiologie im deutschsprachigen und internationalen Raum. Zusammen mit seinem international zusammengesetzten Team leistete er Pionierarbeit bei der Erforschung von Staphylokokken und deren Rolle bei Implantat-Infektionen durch Biofilmbildung. Weitere Schwerpunkte bildeten die Differenzierung von Staphylokokken-Subspezies durch Bakteriophagen sowie die Erforschung bakterieller Extrakte zur unspezifischen Immunstimulation für die Infektionsabwehr und Krebstherapie.

Als Co-Herausgeber des Standardwerkes „Medizinische Mikrobiologie“ prägte er die Ausbildung von Generationen von Medizinstudierenden im deutschsprachigen Raum. Zudem lenkte er über mehr als 25 Jahre als Schriftleiter und Herausgeber das Zentralblatt für Bakteriologie. Von 1985 bis 2001 gehörte er dem Expert Advisory Panel der WHO an und engagierte sich in der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Bundesgesundheitsamtes.

Für sein Lebenswerk wurde Professor Pulverer mit höchsten akademischen und staatlichen Ehrungen ausgezeichnet. 1988 wurde er in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina berufen. Neben dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhielt er 1997 die Ferdinand-Cohn-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), deren Vizepräsident er in den 1980er-Jahren war. Von seinem hohen internationalen Renommee zeugen zudem die Werner-Heisenberg-Medaille der Humboldt-Stiftung, die Ehrendoktorwürde der Universität Krakau sowie der Verdienstorden der Republik Polen. Über langjährige Forschungskontakte und persönlichen Austausch mit zahlreichen polnischen Kollegen, weit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, leistete Gerhard Pulverer einen frühen Beitrag zur Europäischen Integration.

Als Mentor im besten Sinne verstand es Gerhard Pulverer, Begeisterung für die Wissenschaft zu wecken. Zahlreiche seiner Schülerinnen und Schüler wurden später selbst auf Professuren und in Leitungspositionen berufen, unter anderem in Aachen, Bonn und Münster. Wer ihm begegnete, erlebte zugleich einen Menschen von großer menschlicher Wärme, aufrichtiger Zugewandtheit und feinem Humor, der Kolleginnen, Kollegen und Studierende gleichermaßen mit Wohlwollen, Respekt und persönlicher Aufmerksamkeit behandelte. Über die Medizin hinaus reichten seine vielseitigen Interessen weit in Kultur und Gesellschaft – was sich nicht zuletzt in einer international hochangesehenen japanischen Kunstsammlung widerspiegelte, die teilweise vom Smithsonian Museum, Washington DC, übernommen wurde.

Die Universität zu Köln und die Medizinische Fakultät verlieren einen großen Wissenschaftler und einen hochgeschätzten Kollegen. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen.

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Brigitte Wingen
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The Faculty of Medicine does not arrange contacts for patients and cannot provide information on questions of patient care. Please contact the relevant clinic/institution at the University Hospital of Cologne directly with your concerns in this regard.