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Kölner Medizinstudierende im Kampf gegen COVID-19

Die Medizinstudierenden Patricia Sakwinski und Joschua Müller-Gerbes im Einsatz

Seit einem Jahr sind Studierende der Humanmedizin im Kölner Gesundheitssystem tätig und leisten einen wichtigen Einsatz zur Bekämpfung der Pandemie - auch an der Uniklinik Köln. Bei aller Angst vor Ansteckung überwiegen Stolz und Freude, helfen zu können.

Corona hat die praktische medizinische Ausbildung massiv heruntergefahren, mindestens 80 Prozent der Lehre findet derzeit online statt. Da kam der Aufruf der Universitätsmedizin zu Beginn der Pandemie für viele Studierende gerade recht: Einen Beitrag für den Weg aus der Krise zu leisten, sich mit Menschen zu verbinden, sinnvoll mit anzupacken, das war für die angehenden Ärztinnen und Ärzte ein entscheidendes Argument, sich neben dem Studium in der Pandemie-Bekämpfung zu engagieren. Studierende der Humanmedizin können besonders gut Hilfe leisten, denn sie haben Fachwissen. Gerade oft chronisch unterbesetzte Behörden, aber auch Infektionszentren wie das der Uniklinik Köln und COVID-belastete Bereiche in den Kliniken hatten Bedarf angemeldet.

„Als die ersten europäischen Länder einen Lockdown samt Grenzschließungen ankündigten, war mir sehr schnell klar: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es in Deutschland so weit ist“, erinnert sich Sven Seiger, der Humanmedizin im 4. Semester studiert. „Dann kam der März und es folgte der Lockdown. Kurz darauf fragten Kolleginnen und Kollegen im Rettungsdienst an, ob sie Schichten abgeben könnten: Es gab plötzlich niemanden für die Betreuung ihrer Kinder.“ Schnell entschlossen meldete sich Seiger zum Extra-Dienst:
„Es war ein herzerwärmendes Gefühl zu merken, dass in solch schwierigen Zeiten alle sofort füreinander da sind: Schulter an Schulter die intensiven Dienste durchstehen und Patienten trotzdem, oder gerade dadurch, mit der gleichen Herzlichkeit und Anteilnahme versorgen können“, freut sich der Student.

Für Sophia Waizenegger, die Humanmedizin im 3. Semester studiert und gerade erst nach Köln gewechselt war, wurde der Corona-Einsatz zur Ankerhilfe: „Ich habe mich im April für einen Job im Studentenpool der Universitätsmedizin beworben, um die Pflege und die Uniklinik in der Pandemie zu unterstützen“, berichtet Waizenegger. „Rückblickend bin ich richtig dankbar, dass ich während des ersten Lockdowns eine sinnvolle Tätigkeit hatte. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mir sehr dabei geholfen, mich in der neuen Stadt zurecht zu finden, ich kannte ja sonst noch niemanden!“

Valentin Hamm, Medizinstudent im 6. Semester, hat neben seiner Tätigkeit in den Abstrichteams des Kölner Gesundheitsamtes gemeinsam mit Kommiliton*innen über die Fachschaft Medizin ein Verteilersystem für Medizinstudierende aufgebaut, in dem sich Freiwillige mit nützlichen Qualifikationen und Erfahrungen registrieren konnten. „Es war toll zu sehen, wie schnell sich über 900 Motivierte gemeldet haben“, freut sich Hamm.

"Ich bin sehr stolz auf das hohe Engagement unserer Studierenden und überzeugt davon, dass sich der Einsatz auf allen Ebenen lohnt – auch bei der eigenen Lernkurve. Umso mehr hoffe ich, dass unsere Medizinstudierenden bald geimpft werden können – die Belastung einer Ansteckung ist für viele groß. Hier haben wir uns bei der Landesregierung für zusätzliche Impfdosen und die Berücksichtigung von Medizinstudierenden bei der Priorisierung stark gemacht."

- Univ.-Prof. Markus Rothschild, Studiendekan

Patricia Sakwinski studiert Medizin im 6. Semester und fing im September 2020 als Werksstudentin im Gesundheitsamt der Stadt Köln an. Sie landete im Bio-Monitoring und hat seitdem schon mehrere Tausend COVID-19 Abstriche durchgeführt. Ihre Einsatzorte: Wohnhäuser, Altenheime, Geflüchtetenunterkünfte und andere Wohneinrichtungen. „Die Arbeit ist energieintensiv, vor allem aufgrund der hohen Hygieneanforderungen: Wir kleiden uns nach Ebola-Standard ein. Die meisten Abstriche, die ich am Stück bei einem Termin gemacht habe, waren 185. Ziemlich anstrengend - trotzdem mache ich die Arbeit gerne. Man bekommt sehr viel Kontakt zu unterschiedlichsten Menschen. Zudem hat man so einen sehr guten Blick hinter die Kulissen der Pandemie“, berichtet Sakwinski. Die Gefahr einer Infektion bleibt für sie im Hinterkopf.

Dass Corona-Einsatz und Forschung eine spannende Verbindung eingehen können, erlebte Joschua Müller-Gerbes, er studiert Medizin im 3. Semester. Der Student hat an der B-Fast Studie der Medizinischen Fakultät mitgearbeitet. Hier wurde unter anderem die Akzeptanz von unterschiedlichen Testmethoden an Schulen und Kitas untersucht. Zugleich konnte durch regelmäßige Testungen zum damaligen Zeitpunkt ein sichererer Schulalltag für Schüler und Lehrkräfte gewährleistet werden. Müller-Gerbes war mehrfach an Kölner Schulen vor Ort und hat neben der Aufklärungsarbeit zur Studie dutzende Corona-Abstriche durchgeführt. „Es hat sich sehr gut angefühlt, in diesen Zeiten etwas zur Entspannung und Kontrolle der Pandemie beizutragen und zudem vielen Menschen ein sichereres Gefühl im Alltag zu geben“, kommentiert Müller-Gerbes seinen Einsatz. „Ich habe viel gelernt!“


„Insgesamt ist es eine unglaublich prägende Erfahrung bei der Bekämpfung der Pandemie dabei gewesen zu sein – egal in welcher Rolle - und einfach unbeschreiblich, aktiv mitzuwirken“, fasst Sven Seiger die Erfahrungen zusammen und spricht den vielen freiwilligen Corona-Helferinnen und -Helfern aus dem Herzen.

 

Redaktion: Stephanie Wolff (sw)
Fotos: Klaus Peter Schmidt, Briefmarke: Michael Wodak