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Pressemeldungen der Universitätsmedizin

Bedürfnisgerechte Versorgung von Menschen im letzten Lebensjahr erfordert eine frühzeitige und transparente Kommunikation

Das Kölner Kompetenznetzwerk CoRe-Net hat seinen ersten Versorgungsbericht “Versorgung von Menschen im letzten Lebensjahr in Köln“ präsentiert / Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Palliativversorgung im letzten Lebensjahr

Das Ende des eigenen Lebens ist für jeden Menschen höchst individuell. Es ist verbunden mit persönlichen Wünschen, Erwartungen, Hoffnungen, Sorgen und Ängsten. Dennoch berührt die Frage nach den Umständen des Sterbens jeden Menschen gleichermaßen. Der aktuelle Versorgungsbericht des Kölner Kompetenznetzwerks aus Praxis und Forschung (CoRe-Net) greift dieses Thema auf und befasst sich unter anderem mit der Frage, wie die individuellen Bedürfnisse eines Menschen in der letzten Lebensphase bestmöglich erfüllt werden können. Dabei geht es im Bericht mit dem Titel “Versorgung von Menschen im letzten Lebensjahr in Köln“ um Themen wie den gewünschten Sterbeort, die Kommunikation über das Sterben und Entscheidungen zu komplexen Behandlungsbedürfnissen.

Der Bericht basiert auf Ergebnissen der „Last Year of Life in Cologne“ (LYOL-C)-Studie, die als Teil von CoRe-Net durchgeführt wurde. Im Rahmen der Studie wurden im Zeitraum von 2017 bis 2018 Angehörige von im Großraum Köln Verstorbenen befragt. Des weiteren wurden Krankenkassendaten, beispielsweise hinsichtlich der jeweiligen Behandlungsansätze oder dem Sterbeort, ausgewertet. Um die Herausforderungen bei der Versorgung von Menschen in ihrem letzten Lebensjahr erkennen und Ansätze für eine Optimierung der Versorgung aufzeigen zu können, wurden im Jahr 2019 zudem Einzelinterviews und Gruppendiskussionen mit Versorger:innen, wie Ärzt:innen und Pflegepersonal, durchgeführt.

Im Versorgungsbericht wurden aus den Studienergebnissen Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Versorgung im letzten Lebensjahr abgeleitet. Das Kernelement der Handlungsempfehlungen ist eine Optimierung der Kommunikation in der und über die letzte Lebensphase. Es wird aufgezeigt, dass etwa zwei Drittel der Kölner:innen über ihr absehbares Versterben nicht unmissverständlich, nicht rechtzeitig oder nicht angemessen aufgeklärt wurden.

Die Voraussetzung für einen frühzeitigen Dialog ist, dass das absehbare Sterben frühzeitig erkannt wird. Aus der Befragung der Angehörigen und Versorger:innen sowie den Krankenkassendaten geht hervor, dass das rechtzeitige Erkennen des tödlichen Verlaufs einer Erkrankung häufig noch eine große Herausforderung darstellt. Von dieser herausfordernden Aufgabe sind sowohl Patient:innen und deren Angehörige, als auch die versorgenden Ärzt:innen und Pflegekräfte betroffen. Ein früheres Erkennen des tödlichen Verlaufs einer Erkrankung sowie der Dialog über diese Einschätzung können dabei helfen, Kölner:innen häufiger und rechtzeitiger eine Palliativversorgung anzubieten. Der Bericht empfiehlt in diesem Zusammenhang, bereits bestehende Prognoseinstrumente breiter zu kommunizieren und sie noch effektiver einzusetzen.

Der Aspekt der transparenten Kommunikation über eine Erkrankung spielt auch für die Angehörigen eine wichtige Rolle. Der Versorgungsbericht macht deutlich, dass sich vor allem die Angehörigen von Nicht-Krebspatient:innen zu wenig informiert und unterstützt fühlen. Zur Unterstützung der Patient:innen und Angehörigen empfiehlt der Bericht den Einsatz einer Hauptansprechperson für die letzte Lebensphase eines Menschen – als Schnittstelle zwischen Ärzt:innen, Patient:innen und Angehörigen. Des Weiteren zeigt der Versorgungsbericht, dass Angehörige von verstorbenen Kölner:innen unzufrieden sind mit der Zusammenarbeit zwischen den in der Versorgung tätigen Einrichtungen und Personen. Eine Stärkung des Bewusstseins für die Wichtigkeit der Vernetzung zwischen den versorgenden Stellen ist hier angezeigt. Nicht zuletzt bieten Initiativen, mit denen die Kompetenzen der Bevölkerung im Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer gestärkt werden, ein großes Potenzial für die Optimierung der Versorgung im letzten Lebensjahr. Hierzu zählen zum Beispiel die Angebote des Vereins endlich e.V. und der Caring Community Köln.

Der aktuelle Versorgungsbericht wurde am 16. August im Rahmen eines digitalen Events vorgestellt. Er kann unter https://www.core-net.uni-koeln.de/versorgungsreports/ heruntergeladen werden.

 

CoRe-Net Versorgungsberichte

CoRe-Net ist eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Initiative zum Aufbau eines Kompetenznetzwerks aus Versorgungsforschung und Versorgungspraxis in Köln. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, mit innovativen Forschungsprojekten die medizinische und soziale Versorgung der Kölner Bevölkerung zu verbessern. Die Versorgungsberichte greifen die Tradition der kommunalen Gesundheitsberichterstattung auf und befassen sich mit Themen wie Erkrankungshäufigkeiten, Gesundheitskosten sowie den Strukturen und Prozessen im Bereich der Gesundheitsversorgung. Die Berichte sollen dabei helfen, spezifische Bedarfe und Bereiche für die kommunale Intervention zur Verbesserung der Versorgung aufzudecken und dieses Wissen politischen Entscheidungsträger:innen, Versorger:innen aus dem Gesundheitswesen und den Kölner Bürger:innen zur Verfügung zu stellen. Um aktuelle versorgungsrelevante Themen und Bedarfe besser erkennen und in den Berichten berücksichtigen zu können, wird die Entwicklung der Versorgungsberichte durch einen Beirat aus Interessenvertreter:innen aus dem Großraum Köln unterstützt, darunter Patientenvertreter:innen, Versorger:innen und politische Entscheidungsträger:innen.

 

Inhaltlicher Kontakt:

Medizinische Fakultät
PMV forschungsgruppe

Ingo Meyer
ingo.meyer@uk-koeln.de

Katja Blaschke
katja.blaschke@uk-koeln.de

Presse und Kommunikation:

Mathias Martin
+49 221 470-1705
m.martin@verw.uni-koeln.de

Download des Berichts und weitere Informationen:

https://www.core-net.uni-koeln.de/versorgungsreports/

Verantwortlich: Jürgen Rees – j.rees@verw.uni-koeln.de