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Projektbericht - Let’s Talk About Sex – Reloaded (LTAS)

LTAS in der medizinischen Lehre
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Foto: Christian Wittke, MedizinFotoKöln

Seit dem Start im Jahr 2015 haben rund 300 Medizinstudierende der Universität zu Köln an dem Kommunikationstraining „Let’s Talk About Sex“ (LTAS) teilgenommen. Das Trainingsangebot wurde ursprünglich von Medizinstudent Priv.-Doz. Dr. Philipp Linde in Kooperation mit dem Projekt „Let’s Talk About Sex“ der Deutsche Aidshilfe (DAH) in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie (Uniklinik Köln) ins Leben gerufen.

Heute wird LTAS semesterweise von Dr. Sebastian Albers und Priv.-Doz. Dr. Philipp Linde an der Medizinische Fakultät der Universität zu Köln angeboten. Beide wurden dafür von der Fachschaft Humanmedizin mit dem „Preis der Lehre“ ausgezeichnet.

Das Projekt verfolgt das übergeordnete Ziel, sexuelle und psychosoziale Gesundheit zu fördern – insbesondere (wenn auch nicht ausschließlich) bei Gruppen, die von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) besonders betroffen sind. Dazu zählen u. a. MSM, Menschen mit häufig wechselnden Partner*innen, Menschen mit HIV, drogengebrauchende Menschen, weitere „sexuelle Minderheiten“ sowie Jugendliche.

Im Zentrum steht die Verbesserung der HIV/STI-Prävention in Arztpraxen und Kliniken sowie in der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist dabei die Frage, wie Sexualität, HIV/STI und unterschiedliche Lebensweisen in der ärztlichen Kommunikation thematisiert werden können.

Die Lehrmodule bereiten angehende Ärztinnen und Ärzte entsprechend darauf vor, sensibel und kompetent über Sexualität zu sprechen – ein Thema, das in vielen klinischen Situationen besondere Kommunikationsfähigkeiten erfordert. Vermittelt werden u. a. Inhalte zur Diagnostik und Therapie von HIV und anderen STI, Einblicke in das Leben von Menschen mit HIV sowie eine patientenorientierte Gesprächsführung in Rollenspielen.

Im Fokus stehen dabei insbesondere:

  • die Kompetenz, eine Sexualanamnese durchzuführen, die unterschiedliche sexuelle Lebensweisen und Identitäten berücksichtigt – inklusive praktischer Erprobung
  • Lernerfahrungen, die eigene kommunikative Unsicherheiten sichtbar machen und gezielt verbessern helfen
  • (wo erforderlich) die Aktualisierung klinischen Wissens zu Diagnostik/Therapie, Übertragungswegen sowie Präventionsmethoden bei HIV/STI
  • Wissen zu Lebenswelten von Menschen mit HIV und weiteren für die Prävention relevanten Zielgruppen, einschließlich Aufklärung über Diskriminierung – insbesondere im Gesundheitswesen
  • bessere Vernetzung von Ärzt*innen mit regionalen Aidshilfen und weiteren Beratungsstellen
Anerkennung und Transfer

LTAS ist inzwischen auch überregional anerkannt: Das Seminar wurde in die Best-Practice-Datenbank (Longkomm-Toolbox) des Nationaler Kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin (NKLM) aufgenommen sowie in das Compendium of best practices in the health sector response to HIV in the WHO European Region der World Health Organization (WHO).

Mit dem Ruhestand von Prof. Dr. Christian Albus wurde das Training zum Wintersemester 2025/26 an die Klinik und Poliklinik für Radioonkologie, Cyberknife- und Strahlentherapie (Uniklinik Köln) überführt, wo Priv.-Doz. Dr. Philipp Linde heute als Oberarzt und Lehrkoordinator tätig ist.

Univ.-Prof. Dr. Stephanie Stock (Prodekanin für Lehre und Studium) betont die Bedeutung des Programms: „Mit LTAS stärken wir patientinnen- und patientenzentrierte Kommunikation in all ihrer Vielfalt – ein Kernziel unseres Curriculums.“

Nächster Termin

Das LTAS-Training findet 1x/Semester als Ganztagsveranstaltung in der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie, Cyberknife- und Strahlentherapie statt. Die Anmeldung erfolgt über ILIAS/KLIPS.

Publikation

Bringing Sexuality into the Conversation: Evaluating Medical Students’ Perceptions of a Competency-Based Sexual History-Taking Seminar, International Journal of Sexual Health (2025), DOI: 10.1080/19317611.2025.2571882