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Pressemeldungen der Universitätsmedizin

Kölner Universitätsmedizin entwickelt Konzept zur Steigerung der Lebensqualität von Demenzkranken in der Langzeitpflege

Förderung von Deutscher Alzheimer Gesellschaft e.V. - deutliche Verbesserung der Lebensqualität erwartet

Prof. Dr. Elke Kalbe und Prof. Dr. Sascha Köpke, Foto: Michael Wodak

Die Medizinische Psychologie unter Leitung von Professorin Elke Kalbe hat gemeinsam mit dem neu geschaffenen Institut für Pflegewissenschaft, geleitet von Professor Sascha Köpke, eine Studie zur kognitiven Stimulation in der stationären Langzeitpflege von Demenzkranken eingeworben, die im Januar 2021 startet. Im Zentrum steht die Entwicklung und Pilotierung eines 24-Stunden Ansatzes im Rahmen einer Mixed-Methods-Studie, die Menschen mit Demenz, Angehörige sowie Pflege- und Betreuungspersonal in die Entwicklung der Intervention einbindet. Die Studie untersucht, wie und mit welchen Maßnahmen die Lebensqualität für an Demenz erkrankte Menschen durch tägliche kognitive Stimulation verbessert werden kann. Das Vorhaben wurde von der Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe als eines von drei Projekten zur Förderung ausgewählt und wird mit 138.456 € gefördert. Das Gutachten würdigt vor allem den partizipativen Ansatz, die hohe Relevanz des Projekts für die Versorgung von Menschen mit Demenz und die Innovationskraft.

Kognitive Stimulation wird in den aktuell geltenden Leitlinien zur Therapie von Menschen mit Demenz bereits empfohlen: Dieser nicht-pharmakologische Ansatz trainiert geistige und soziale Fähigkeiten in Kleingruppen – beispielsweise durch anregende Übungen, Spiele und Gesprächsrunden. Damit sollen geistige Fähigkeiten stabilisiert und Lebensqualität verbessert werden. Bislang findet diese Intervention lediglich im Rahmen von Einzel- oder Kleingruppen-Angeboten als Zusatzangebot statt, meist in Zeiträumen von 6 oder 8 Wochen. Viele Bewohner*innen haben bisher keinen Zugang zu diesen Therapieangeboten. In der aktuellen Covid-19-Situation mit Kontaktbeschränkungen in Pflegeeinrichtungen und damit einhergehenden Absagen von Gruppenprogrammen ist die Durchführung solcher Angebote nicht mehr möglich. Dieses Dilemma soll nun grundsätzlich durch die Entwicklung täglicher bzw. „alltäglicher“ Stimulationsangebote gelöst werden.

Innerhalb des Projekts soll daher erstmals kognitive Stimulation als „24/7-Ansatz“ im alltäglichen Kontakt zwischen Menschen mit Demenz und Pflege- und Betreuungspersonen in der stationären Langzeitversorgung entwickelt werden. Die Idee ist, eine fortlaufende kognitive Stimulation in die täglichen Abläufe, z. B. bei der Körperpflege oder bei den Mahlzeiten, zu integrieren. Das Personal soll geschult werden, um verschiedene kognitive Angebote in die täglichen Betreuungsabläufe zu integrieren, z. B. durch Gesprächsimpulse oder den Einsatz von anregenden Materialien sowie kleinen Übungen. „Mit dem Einsatz eines solchen kognitiven Stimulationsansatzes als dauerhaftes Konzept in stationären Einrichtungen könnte viel flächendeckender eine Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner*innen  und eine Stabilisierung ihrer kognitiven Fähigkeiten erreicht werden“, sagt Professorin Elke Kalbe. Professor Sascha Köpke ergänzt: „Wir wollen die Kommunikation zwischen Bewohner*innen sowie Pflege- und Betreuungspersonen fördern. Unsere Erwartung: Die Stimmung der Bewohner*innen kann maßgeblich verbessert werden. Das Belastungserleben der Pflege- und Betreuungspersonen wird verbessert. Der Selbstwert aller Beteiligten wird positiv beeinflusst.“ Dazu werden nun erstmalig wissenschaftlich fundiert die passenden Instrumente und Aufgaben entwickelt.

Neu am Projekt ist nicht nur, dass kognitive Stimulation erstmals als „24/7-Ansatz“ ermöglicht wird, also alltäglich angeboten werden soll, sondern auch, dass sie nicht „am Schreibtisch“ ausschließlich von Forschenden entwickelt wird: Das Projekt sieht vor, gemeinsam mit allen beteiligten Gruppen, d.h. den Bewohner*innen, ihren Angehörigen sowie dem Pflege- und Betreuungspersonal ein Konzept zu erarbeiten. Professorin Elke Kalbe erklärt: „Nur durch den Mixed-Methods-Ansatz können wir den spezifischen Bedürfnissen dieser Zielgruppen gerecht werden und dem besonderen Setting angemessen Rechnung tragen. Damit wollen wir sichergehen, dass das finale Konzept erfolgreich in den Pflegealltag implementiert werden kann.“ Dazu kommen für jeden Projektschritt angepasste quantitative Forschungsmethoden, z. B. Fragebögen, und qualitative Instrumente wie Interviews und teilnehmende Beobachtung zum Einsatz, um mit rückkoppelnden Entwicklungsschleifen ein tragbares Konzept zu erstellen. Ein interdisziplinäres Konsortium mit Akteur*innen  aus den Bereichen Pflegewissenschaft, Neuropsychologie und Gerontologie sowie Pflege, Gesetzliche Krankenkasse (AOK Rheinland/ Hamburg) und Interessenvertretungen von Menschen mit Demenz gewährleistet zum einen, dass zum Projektende ein für alle Gruppen gangbares Konzept einer kognitiven Stimulation als 24/7-Ansatz im Pflegealltag vorliegt. Zum anderen soll ein Implementierungskonzept inklusive Schulungskonzept für Pflege- und Betreuungspersonal entwickelt werden. Eine größer angelegte Studie zur Evaluation des neuen Ansatzes könnte dann folgen. Die Förderdauer ist auf eineinhalb Jahre angelegt.

Kontakt:

Inhaltliche Rückfragen:

Prof. Dr. Elke Kalbe
Medizinische Psychologie | Neuropsychologie und Gender Studies
Centrum für Neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI)
Medizinische Fakultät und Uniklinik der Universität zu Köln
Telefon: +49 221 478-96244
elke.kalbe(at)uk-koeln.de
http://neurologie-psychiatrie.uk-koeln.de/medizinische-psychologie

Prof. Dr. Sascha Köpke
Direktor Institut für Pflegewissenschaft
Telefon 0221 478-51658
E-Mail sascha.koepke(at)uk-koeln.de
https://pflegewissenschaft.uni-koeln.de/

Kommunikation:

Stephanie Wolff M.A.
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit/Kommunikation
Medizinisches Dekanat der Universität zu Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 20 50931 Köln
Telefon: +49 (0)221 478 30774
E-Mail: stephanie.wolffSpamProtectionuk-koeln.de