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Dr. Roland Schwarz auf W3-Professur für Computational Cancer Biology berufen

Dr. rer. nat. Roland Schwarz tritt zum 1.1.2022 die neue W3-Professur "Computational Cancer Biology" an der Medizinischen Fakultät an. Die Professur ist angesiedelt an der Klinik I für Innere Medizin (Direktor: Prof. Dr. Michael Hallek) sowie am CCCE Cancer Research Center Cologne Essen. Über die Anbindung der Professur an das CCCE und der engen Zusammenarbeit mit dem in 2018 gegründeten Zentrum für Daten- und Simulationswissenschaften an der Uni Köln (UoC Center for Data and Simulation Science - CDS) kann Roland Schwarz seine Forschungsaktivitäten als ausgewiesener Experte für maschinelles Lernen, theoretische Informatik und klinische Onkologie weiter auszubauen.

Roland Schwarz kommt vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, einer Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft, wo er seit 2016 als Juniorgruppenleiter sowie im Rahmen des Partnerstandortes des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) tätig war. Als Informatiker erforschte er dort mit seiner Arbeitsgruppe „Evolutionäre und Krebsgenomik“ die Themen maschinelles Lernen und statistische Algorithmen mit dem Ziel, das Verständnis der Ursachen und der funktionellen Konsequenzen von Unterschieden in Tumoren und der Krebsevolution besser zu verstehen. „Zelluläre und molekulare Unterschiede innerhalb eines Tumors spielen bei vielen Krebserkrankungen eine entscheidende Rolle, insbesondere für Diagnostik und die Entwicklung von zielgerichteten Therapien“, so Schwarz. „Krebs wird von evolutionären Prozessen getrieben. Die Zellen verändern fortlaufend ihre genetische Zusammensetzung und kämpfen ums Überleben, auch untereinander. Jeder Tumor hat dabei seinen eigenen Stammbaum, mit Auswirkungen auf die Bildung von Metastasen oder seine individuelle Behandelbarkeit.“  Schwarz stellt sich der komplexen Aufgabe, Veränderungen in der Kopienzahl bestimmter Gene in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung zu erfassen. Gemeinsam mit Teams aus Großbritannien hat Schwarz Algorithmen entwickelt, die diese Kopienzahlen höchst präzise rekonstruieren können: Das Software-Tool Refphase kann strukturelle Veränderungen im Erbgut (sogenannte SCNAs von Somatic copy number alterations) besonders genau identifizieren. Anschließend kann mithilfe des MEDICC2 Algorithmus die Evolutionsgeschichte des Krebses akkurat rekonstruiert werden. Mithilfe dieser Verfahren wiesen Schwarz und seine Kolleg*innen 2020 die kontinuierliche strukturelle Evolution in verschiedenen Krebstypen nach. Für seine Arbeit zur Krebsgenomevolution wurde Schwarz bereits 2016 mit dem Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in der Krebsforschung ausgezeichnet.

Schwarz wird über die neu geschaffene Professur in Köln die Entwicklung von Algorithmen in der Onkologie in enger Interaktion mit klinischen Wissenschaftler*innen der Universitätsmedizin weiter ausbauen. Zusätzlich wird er an seine Zusammenarbeit in großen Datenanalyse-Konsortien anknüpfen. So hat Schwarz bereits als Principal Investigator in der TCGA/ICGC Pan-Cancer Analysis of Whole Genomes (PCAWG) statistische und Deep-Learning-Modelle entwickelt, die die Auswirkungen somatischer genetischer Variationen auf die Genregulation vorhersagen.

Der gebürtige Klever, Jahrgang 1979, war von 2009 bis 2012 Postdoc am Cancer Research UK Cambridge Institute und von 2012 bis 2016 Marie-Curie-Stipendiat am EMBL - European Bioinformatics Institute in Hinxton. In dieser Zeit war er auch als Junior und später Senior Research Fellow des Wolfson College der Universität Cambridge tätig, bevor er 2016 als Nachwuchsgruppenleiter an das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin nach Berlin wechselte. Er studierte bis 2003 Computerwissenschaft in Würzburg und schloss 2008 das Studium der Bioinformatik mit dem Dr. rer. nat. an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ab.